1. Fragestellung
Im Rahmen der Diskussion um Internet-Marketing sprechen wir oft von der Konsumgüterbranche. In der folgenden Beitragsreihe möchte ich mich der Frage widmen, inwieweit das Internetmarketing mit all seinen Schattierungen für das B2B-Geschäft von Relevanz ist.
2. Wer ist der eigentliche Entscheidungsträger beim Kauf von Investitionsgütern?
Ausgeprägter als bei Konsumgütern sind bei der Anschaffung von Investitionsgütern oft mehrere Personen beteiligt. Wir sprechen dabei von einem Buying Center. Abb.: Buying Center Folgende Rollen (Personen mit Mandat) innerhalb eines Buying Center lassen sich unterscheiden:
- Verwender (User), z. B. Produktionsmitarbeiter/leiter, Anwender
- Einkäufer (Buyer), holen Angebote ein und beurteilen diese, z. B. Einkaufsmitarbeiter/leitung
- Beeinflusser (Influencer), beeinflusst den Entscheidungsprozess, setzt Standards, z. B. Berater, Designer
- Entscheider (Decider), entscheidet endgültig, meistens Geschäftsleitung, Prokuristen, Entscheidungsträger.
- Initiator, regt den Neukauf an
- Coach, externe oft beratende Funktion, mit sehr engem Kontakt zu einem Mitarbeiter
- Infoselektierer (Gatekeeper), Gibt Informationen weiter oder hält diese zurück.
Hierbei kann eine Person auch mehrere Rollen einnehmen und eine Rolle kann durch mehrere Personen repräsentiert werden.
3. Wo sucht der Einkäufer zuerst?
Die Internet-Consultants von Enquiro haben im Jahr 2007 eine Studie durchgeführt, die das Kaufverhalten von Einkäufern im Investitionsgüterbereich untersucht hat. Die Untersuchung hat ergeben, dass 98 % der Einkäufer im Rahmen der Informationsgewinnung mit Suchmaschinen wie Google oder Yahoo in Kontakt kommen. Das zeigt uns einen wichtigen Trend auf: Wir entfernen uns vom Push-Marketing hin zum Pull-Marketing. Oft sind es nicht die Leistungsanbieter, die Kontakte zu ihren Kunden aufnehmen, sondern umgekehrt. Der Kunde macht den ersten Schritt im Kaufprozess. Gemäss einer Untersuchung von MarketingSherpa aus dem Jahr 2007 haben in 80 % der Fälle die Einkäufer ihre Lieferanten gefunden. Diese Aussage wurde durch die Befragung von 478 B2B-Einkäufern erhoben.
- Suchmaschinen haben entscheidenden Einfluss auf die Visibilität eines Anbieters.
- 80 % aller Käufer im Investitionsgüterbereich finden ihre Lieferanten – und nicht umgekehrt.
Im Umgang mit den Suchmaschinen stellt sich automatisch die Frage, was wichtiger ist: die Nennungen innerhalb der Suchergebnisse oder gesponserte Links wie bei Google Adwords. Es erstaunt dabei nicht, dass die organische Suche einen hohen Stellenwert hat. Das liegt sicherlich auch an der Tatsache, dass die bezahlten Inserate sehr verkaufsorientiert sind, der B2B-Einkäufer sich in der ersten Kaufphase aber eher für Fakten und Zahlen interessiert und nicht für Marketingbotschaften. Abb.: Relevanz von Externen Beeinflussern; 1=irelevant, 7=sehr relevant Quelle: MarketingSherpa, Connecting Trough Content Series Die klassische Verzeichniswerbung – also der reine Firmeneintrag – scheint gemäss Linx (Leitfaden für Zeitgemässe Verzeichniswerbung) auch einer Veränderung unterworfen zu sein. Verschiedene Optionen des Firmeneintrages beispielsweise Firmenvideos und Produkt-Showrooms sowie Verknüpfungen zu Pressemeldungen und Fachartikel schaffen die Möglichkeit, Marktleistungen lebendig darzustellen und zu emotionalisieren.
4. Welche Informationsquellen werden von Einkäufern gelesen?
Es ist erstaunlich, in welch vielfältiger Form B2B-Einkäufer relevante Informationen suchen und verarbeiten. Abb.: Regelmässig konsumierte Inhalte von Einkäufern im B2B Quelle: MarketingSherpa, Connecting Trough Content Series Im 2. Teil werde ich auf die folgende Frage eingehen: Konsumieren Einkäufer in verschiedenen Phasen des Kaufprozesses verschiedene Medien und Inhalte und wenn ja, welche?
